Mich interessieren die Trucker-Proteste in Kanada und den USA aus mehreren Gründen. Als ich nämlich unterwegs war als Anhalter, also Tramp, auf den Straßen und Autobahnen Deutschlands und Europas, lernte ich die Lastwagenfahrer ein wenig kennen und schätzen. Wollte ich schnell voran kommen, fragte ich die Fahrer der schnellen PKW, ob sie mich mitnehmen könnten. War es jedoch spät bereits und ich wollte nachts noch über eine Grenze, nach Österreich oder Italien, fragte ich die Fernfahrer. Es ist ein anderes Fahren dort oben auf dem Kutschbock, mit bis zu zwanzig Tonnen Fracht im Rücken und Fahrtenschreiber und Funkkontakt zu befreundeten Truckern. Hinter den Sitzen ist die Koje, eine Liegestatt mit Matratze und Decke und Leselampe usw. Vorn gibt es die Lichter der Kontrollanzeigen für alles mögliche, ich habe nie nachgefragt. Die Trucker sind extrem unaufgeregte Leute, ausgekochte Profis der Landstraßen und Autobahnen. Sie erschreckt so schnell gar nichts, sie können einstecken. Ihr Job ist einer der anstrengendsten, den diese Zivilisation, die auf Warentransport beruht und von ihm abhängig ist, zu vergeben hat, und ganz sicher gibt es einen Ehrenkodex dieser Elite der Transportarbeiter – nämlich den, daß sie ihre Ladung sicher ans Ziel führen und nebenbei ein wenig aufpassen, was auf den Straßen passiert. Die Polizei legt sich nicht mit ihnen an, ebenso wenig wie sie sich mit den Taxifahrern anlegt – denn das sind die Leute, die nicht nur unterwegs sind, sondern zusätzlich noch wissen, was das heißt und was passieren kann. Ich will sagen: sie sehen sehr, sehr viel.
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