Sich verstehen

Seit geraumer Zeit sind die Menschen freundlicher und aufmerksamer, bedürftiger auch. Sie sprechen mehr. So nehme ich es wahr.

Der Kassierer aus dem Penny-Markt, mit dem ich stets ein paar Worte wechsle, sagt mir, daß er sich wundere, was hierzulande alles gekauft und weggeworfen wird. „Ich mache dabei auch mit“, sagt er, „also weiß ich vielleicht, wovon ich spreche. In meiner Heimat ist das nicht so, da lerne ich dann wieder, was die Sachen wert sind.“ Wenn ich richtig verstanden habe, stammt er aus dem Iran.

Auch in dem Backshop ist viel zu besprechen, und freundlich. Hoffentlich ist das bald alles vorbei – bezogen auf die C-Angelegenheit. Ich kann da gar nicht hinsehen – bezüglich des Ukraine-Kriegs.

Wir sind hier krisenmüde und erleiden doch nur Bruchteile dessen, was erlitten wird. Zum Glück für uns, auch für mich. Die C-Geschichte ist noch nicht durch, auch wenn ich das am liebsten beschließen möchte, und zwar auf der Stelle. In der Angelegenheit habe ich viel und übel lernen müssen.

Der Ukraine-Krieg hat derweil die Medien von sich überzeugen können, dorthin schauen sie nun mit klarem Visier. Mir hat man Skepsis in die Knochen gebrannt, doch ich empfinde mit. Ich suche und finde das Echte inmitten des Schunds, versuche es immerhin.

Ich rede mit jedem, der mag. Es gibt eine Gemeinschaftlichkeit, wenn die Lage als bedrückend empfunden wird. Es ist viel Druck ausgeübt worden. Das positiv Menschliche setzt sich dagegen zur Wehr. Mitgefühl und Verständnisvermögen nehmen zu. Wir sind nicht allein – doch um dies zu erfahren, müssen wir uns äußern. Dies geschieht nun. Die Flure sind frei.


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