Wie aufgeblasen Gedichte wirken können. Verse wie Grabinschriften, heilig heilig. Dazu die intendierte Halb- bis Unverständlichkeit, dunkles Raunen, Andeutungen. Gedichte sind Container für vielerlei Ladung. Wenn sie aber schwingen und nicht nur gut klingen, hebt sich etwas aus ihnen empor und fliegt kurz ’ne Runde oder kehrt nie mehr zurück. Gedichte sind Stimmungssache, auch wenn sie, wie Gottfried Benn bemerkte, nicht aus Gefühlen, sondern aus Wörtern zusammengesetzt sind. Es gibt Tage, da halte ich Gedichte nicht aus. Ich verabscheue dann das Prätentiöse, das Gespreizte, die mit ein paar Taschenspielertricks ergaunerte Bedeutsamkeit. Anderntags sprechen sie aus, manche von ihnen, was ich selbst gern sagen würde – wenn ich nur könnte. In der Ruhelosigkeit liegt auch gutes Beginnen, schreibe ich jetzt. Versöhnt mit Gedichten, nur weil ich soeben geschrieben habe, daß sie mir auf die Nerven fallen können.
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