Daher wohl die traditionelle Bewunderung der Lässigkeit

Das Lassen ist eine unterschätzte Tugend. Nicht: zulassen, ablassen, verlassen, veranlassen usw. Nein: einfach nur lassen – nichts Aktives daran. Zurücktreten und zusehen. Die Tugend der Kontemplation, könnte man meinen. Doch das trifft es nicht. Die Betrachtung und ihr Genuß kommen später. Beim Lassen geht es darum, die aktivierten Kräfte (sagen wir: des Gegners) und deren Potential zu erkennen und ihnen, mag sein: nach reiflicher Überlegung, nichts entgegenzustellen. Lassen beruht auf einem Verständnis aktueller Strömungsverhältnisse und bestehender Energievorräte. So erleben wir es im Alltäglichen, auch hinsichtlich der Themen, die eben noch wichtig, übermorgen schon nichtig sind. Sollen sie ihre Spur ziehen, nicht selten ist das eine der Verwüstung. Doch sich ihnen entgegenzustellen bedeutete weiteres und überdies vergebliches Verderben. Muhammad Ali hat die Energie seiner Gegner auf sich genommen und sie einprügeln lassen, Runde für Runde malträtierten sie seinen Körper mit Schlägen und erschöpften sich dabei. Er trug die Last der Schmerzen und versetzte ihnen endlich die entscheidende Lektion. Gewonnen wird zum Schluß, keinen Augenblick vorher.


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