Ein Falke sitzt auf der Astspitze eines noch jungen Baumes, während hinter dem monströsen Flughafengebäude die Sonne hinter den Wolken verschwindet, und zwar derart, daß ihre Strahlen einen Kranz bilden, so daß ich ein weiteres Bild meiner „Gottesbeweise“ aufnehmen könnte, nur daß ich darauf verzichte und mir stattdessen Gedanken über den Falken mache, der sich ja auch was denken wird dort oben auf seinem Ast. Vielleicht ist er froh, daß jetzt Feierabend ist und er ausruhen darf. Ob der Sonnenuntergang ihm ästhetisch etwas bedeutet, ist fraglich. Andererseits scheinen manche Tiere einen außerordentlichen Sinn für Schönheit zu besitzen und sind (für den Menschen) Teil des „Naturschönen“, was nicht bedeutet, daß „die Natur“ nur schön ist oder Schönheit eine ihrer Hauptaufgaben wäre – vielmehr ist sie auch grausam, unmoralisch, häßlich. Doch all diese Maßstäbe kommen nicht aus ihr, die tragen wir heran, wir Menschentiere. Unter den Tieren sind wir die Abtrünnigen.
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