Die Gesänge des Maldoror. Erschienen 1874. Autor: Isidore Lucien Ducasse (1846-1870), Pseudonym: Comte de Lautréamont.
Dort gab sich jemand „dem Bösen“ hin und mußte es nicht eigens entdecken. Es lag offenbar und wurde zusammengetragen in einer wundfiebernen Fleißarbeit der Phantasie.
Die Surrealisten machten später Schule mit ihm und renommierten mit seiner angeblichen Verruchtheit.
Das zwanzigste Jahrhundert ist voller Schaumschläger und Schreckensmalermeister. Das Fürchterliche im Denken und Fühlen ereignet sich im 19. Jahrhundert, das 20. vollstreckt „nur“ einen Teil von dessen Potential.
Als Neo-Surrealisten vor dreißig Jahren versuchten, den Geist des Isidore Ducasse auf die damaligen Verhältnisse – Sterben eines deutschen Teilstaats, Sieg des zweiten K – zu übertragen und daraus einen poetischen Widerstand abzuleiten, glich das einem Griff ins Leere.
Das radikal Böse ist das absolut Gute in Spiegelgestalt. Damals (sonstwann) konnte ich den Gesängen der „Sonne des Bösen“ nicht angemessen lauschen. Ich weiß nicht, ob ich mir solches Gelingen jetzt wünschen mag. Doch um das Wünschen ist es nicht zu tun, wenn die Schrecken drohen.
Sie gewinnen Gestalt. Ich fürchte sie nicht. Mit den Dämonen leben. Die Unverstorbenen anhören. Nicht nur an-, sondern zuhören. Nicht vorschnell verstehen. (Solches Verstehen ist für die Truhe des ewigen Vergessens.) Wer urteilen möchte, soll es tun. Doch jedes Urteil kann sich gegen den wenden, der es spricht.
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