Windhauch

Nachdem es einmal so war (die schlimmen Jahre), als würden wesentliche Rationen des Überlebens vorenthalten, ist mir nun, als sei ich in die Gunst der spendenden Kraft geraten. Ich beschreibe nicht mein Glück und weiß es auch nicht zu begründen. Ob ich etwas angespart habe, vermag ich nicht zu sagen. Das Karma-Gerede gefällt mir nicht. Wenngleich es Karma geben mag, jedoch nicht käuflich. Ich habe keinerlei Respekt vor Prinzipien oder Lebensregeln, die ihre Anhänger zur geistigen oder moralischen Korruption anhalten. — Seit ich denke und schreibe, fallen mir die Verneinungen auf, die ich gebrauchen muß, um zum positiven Kern dessen, was ich eigentlich meine, durchzudringen. Ich muß so oft nein sagen, daß ich am Ende zu erschöpft sein könnte, um endlich mein Ja zu sprechen. Aber dazu hat Nietzsche ja bereits geschrieben, zum Sanctus Januarius in seiner Fröhlichen Wissenschaft. — Kann man sich denn mittlerweile eine fröhliche Wissenschaft vorstellen? — Wo lebe ich? Die Freude, wo ist sie? Unter alten Bäumen sitzen und trinken und reden und die Zukunft vergessen und die Vergangenheit vergessen und den blauschwarzen Himmel über der Botschaft bestaunen.


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