Dienstag, 5. Juli, vormittags

Die Gärtner sind da mit ihren Knattergeräten. Ich schließe nicht die Fenster, ich bin Teil dieser lauten Welt.

Das Selbst ist kein Phantasma. Alle Wege führen zu mir, so sehr ich mich bemühen mag, dem zu entgehen. Ich will mich nicht länger vermeiden, schrieb ich vor Jahren ins Tagebuch.

Den Grashüpfer habe ich ins Freie getragen. Er saß im Vorhang und meditierte.

Man kann an sich selbst leiden, lange Jahre. Das hängt auch damit zusammen, daß man mehr gelebt wird als selbst zu leben. Man irrt solange im Labyrinth, bis man bereit für den Ausgang ist. Ob außerhalb des Labyrinths ein noch größeres Labyrinth angelegt ist, bleibt zunächst offen.

Nach den vielfältigen Betäubungen des Lebenlernens fühlt es sich seltsam an, einmal ganz bei sich zu sein. Als sitze man an einer Quelle und lausche dem Wasser. Sogar das Wassertrinken will erst gelernt sein.

Ich schätze die pragmatischen Menschen. Leider gelangt man mit ihnen nicht sehr tief, und so muß man ohne sie weiter.

Freiheit beruht auf Vertrauen, die eigene Freiheit auf Selbstvertrauen. Es gibt aber Menschen, die betrachten sämtliche Dinge vom Mißbrauch her, statt ihren guten Gebrauch in Betracht zu ziehen.

Der Ausgang aus dem Labyrinth entspricht Kants Beantwortung der Frage, was ist Aufklärung. Allerdings muß man die Sache nicht nur mit dem Kopf, sondern mit dem ganzen Körper angehen. Nicht alle Wege führen nach Rom, doch laufen muß man.

Wer nicht achtgibt, lebt in die Erwartungen anderer und entspricht ihnen schließlich sogar. Sofern man sich dabei auch selbst entspricht, kann das gutgehen. Es gibt aber welche, die fühlen sich ungelebt. Vielleicht hat man sie nicht gelassen, wahrscheinlicher aber ist, daß sie selbst sich nicht gelassen haben. Das verweist auf den Zusammenhang von Freiheit und Selbstvertrauen.

Ich möchte mit Menschen sein, die bei sich sind.


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