Brock in Linz

Eintippen und suchen lassen. Bilder, Filme, Texte. Die Welt zuhanden. Aber nicht vom Mißbrauch ausgehen, sondern von gutem Gebrauch.

Ich habe mir einige Vorträge von Bazon Brock angehört, beispielsweise den „Über die machtgroteske Vereinnahmung der Künste durch die Kulturen“ vom 16. März dieses Jahres an der Kunstuniversität Linz (Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung). Bemerkenswert, wenn auch nicht überraschend, daß auch Brock zwischen Kunst und Kultur unterscheidet, statt die Kunst der Kultur zuzuschlagen, wie das üblicherweise geschieht, insbesondere dann, wenn Politiker und Aktivisten sich dem (umkämpften) Terrain nähern.

Die Kulturen, so lautet Brocks These, versuchen derzeit verstärkt, Künste und die Künstler in dienende Funktion zurückzudrängen. So werden sie Teil des etablierten Systems und seiner ausgebildeten Hierachien. Er nennt das Kulturalismus.

Von der Kunst (wie vom Denken) soll, aus Sicht des Bestehenden, keine Gefahr ausgehen. Genau diese Gefahr aber war es, Brocks Argumentation folgend, die Europa und die europäischen Kulturen erfolgreich gemacht hat. Diese produktive Gefahr beruht auf einem maßgeblichen Prinzip: daß nämlich der Einzelne zählt und daß sein Werk die Sicht auf die Wirklichkeit verändert. Das ist die Aufgabe des Künstlers – nicht die nachmalige und andienende Bestätigung etablierten Wissens oder Glaubens. „Autorität durch Autorschaft“.

Nachtrag: Erste mittelbare Bekanntschaft mit Bazon Brock machte ich Mitte der achtziger Jahre, als es um die Documenta in Kassel ging. Er saß damals oft in Talkshows und erklärte und dozierte. Ich hielt ihn für arrogant und selbstgefällig, hörte aber zu. Daß er immer noch da ist, freut mich. Er ist zum Außenseiter geworden, die TV- und Rundfunkstationen nehmen keine Kenntnis mehr. Umso gefragter scheint er als Dozent und Vortragender zu sein. Ich muß nicht jeden mögen, den ich achte.


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