Aus dem Zusammenhang 236

„Der Mensch, stets als der auch individuelle gemeint, ist unter mancherlei Rücksicht ein offenes Wesen. Zunächst einmal ist er offen wegen seiner grundsätzlichen Unfertigkeit. Er ist unfertig bei der Antwort nach seinem Wesen, er ist unfertig in seiner geistigen und emotionalen Entwicklung, er ist unfertig in seiner Auseinandersetzung mit seiner Geschichte, seiner Gesellschaftlichkeit, seiner Individualität, seiner Weltlichkeit, seiner Religiosität …, er ist unfertig in einem Ausmaß, daß sich ihm nicht selten das Gefühl einer grundsätzlichen Gebrochenheit und Heimatlosigkeit zuspielt. Er ist unfertig im Umgang mit seiner Freiheit, er ist unfertig in der Bewältigung von Schuld, er ist unfertig in seinem Charakter. Er weiß von sich selbst weniger als von manchen Tieren.“

Rupert Lay, Manipulation durch die Sprache [1977]


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