Mehr und mehr bestaune ich das Weibliche. Dieses Bestaunen durchfährt mich wie ein später Schock. Ich wußte doch immer, was dies ist und was das. Jedenfalls behauptete ich es und nahm wohl Vorlieb mit meinem simplen Verstehen. Ich war der Junge, später der Mann – sie war das Mädchen, später die Frau. Die Begriffe gaben Halt. So war man orientiert und zuhause. Ich strebte stets nach Verständnis, nach Übereinkunft, vielleicht sogar nach Auslöschung der Unterschiede. Ich versprach mir davon eine Art der Verschmelzung, der unterschiedslosen Vereinigung, mag sein. Ich nahm die Spannung heraus, ich fürchtete mich. Sind wir nicht eigentlich eins? dachte ich und gefiel mir in solchem Denken. Nun habe ich, spät genug, die Entfernung verstanden, aus der wir aufeinanderzustürzen, und ich gewinne den Respekt zurück für beide Seiten des Geschehens. Die anderen sind die anderen und mögen es sein. Ich denke nach über Frau und Mann, Mann und Frau, und was sie einander sein können angesichts ihres ungleichen Wissens.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.