Zweiter Tag im August

Ich bin zeichenbedürftig, wundersüchtig, abergläubisch, und ich weiß es. Mein Verstand kaut sich die Zähne aus an diesen Brocken zähen Unverstands im Innern seines eigenen, wie er annimmt, Reiches. So glaube ich an die Liebe, zum Beispiel. Oder hoffe in wilder Verzweiflung, daß die schlimmen Dinge enden, und sei es wie durch ein Wunder – oder: „plötzlich sprach niemand mehr davon … die Sache hatte sich erledigt“. Die dummen Dinge sind ja auch so langweilig und häßlich. Daß man sie überhaupt erträgt, erstaunt mich noch immer. Ich bin alt genug, um hier als so eine Art Allerweltsprofi durch die Gegend zu laufen und Kommentare abzusondern, es den Hunden im Revier gleichtuend. Die heben dauernd ihr Bein, weil sie angeblich müssen. In Wirklichkeit versenden sie Botschaften. Botschaften sind Lebensbeweise, insofern verstehe ich gut. In einem meiner vorherigen Leben war ich ganz sicher ein Hund, denn oft geschieht es, daß auf der Straße oder dem Weg ein Hund auf mich zukommt und wedelnd grüßt, obwohl wir uns gar nicht kennen. Sicher sieht er das anders. Unklar, wieviele Leben wir haben. Angeblich nur eines, nur sagt mir mein Gefühl, daß ich aus einem anderen Leben gekommen bin und mich deshalb hier nicht recht zuständig fühle. Die Geschäfte interessieren mich wenig. Oft muß ich so tun als ob. Das ist anstrengend und zugleich langweilig. Irgendwas muß noch passieren.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Zweiter Tag im August

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert