Damit wir nicht Menschen essen müssen

„Veganer Burger erhält Preis, weil er wie Menschenfleisch schmecken soll. Eine Pflanzenfleischmarke erhielt für ihren ‚Human Meat Burger‘ einen Kreativitätspreis. Viele fragen sich nun: Woher wussten die, wie Menschenfleisch schmeckt?“ Head- und Subline aus der Berliner Zeitung vom 30.6.2022. „Ein Veggie-Burger, der also an Kannibalismus erinnert. Wenige Stunden später trendete ‚Menschenfleisch‘ auf Twitter. Die ungewöhnliche Preisverleihung warf bei vielen vor allem eine Frage auf: Woher wussten Jury und Produktentwickler, wie Menschenfleisch schmeckt?“ Zeilen später die etwas schlaffe Antwort: „Das Ganze sollte wohl eher ein Marketing-Trick sein. Der Hersteller versprach damals: Der Burger-Patty soll menschlichem Fleisch ähnlich sein. Mit der Sonderedition möchte der Hersteller angeblich zeigen, dass es möglich ist, pflanzliche Produkte herzustellen, die wie jedes andere Fleisch schmecken – sogar wie menschliches Fleisch. Einige Twitter-Nutzer kritisierten, dass es sich einfach nur um widerliche Werbung handelt. Henrik Åkerman, Global Brand Leader, erklärte nach der Preisverleihung: ‚Unsere Mission ist es, zu verändern, wie Menschen essen, und es ist unsere Pflicht, Kreativität als Mittel dafür zu nutzen, um eine solche Veränderung herbeizuführen.'“ Die „Pflanzenfleischmarke“ heißt Oumph und möchte Oumph! geschrieben werden. Für das Ausrufezeichen tun sie was. Man lese in Ernst Jünger, Das abenteuerliche Herz, 2. Fassung, das Kapitel über Endivien, um sich zu unterrichten. Das Wort Pflicht ist mir weiter oben aufgestoßen. Wenn mir jemand erzählt, es sei meine Pflicht, höre ich sofort weg.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Damit wir nicht Menschen essen müssen

Ein Gedanke zu „Damit wir nicht Menschen essen müssen“

  1. L.L. schreibt:

    Violette Endivien – man halte die Augen offen! Neben Kannibalen gibt es hierzulande etwa 10.000 Menschen,deren sehnlichster Wunsch ist, geschlachtet und gefressen zu werden. Was auffällt, wenn man sich mit Menschenfressern beschäftigt, ist, was für freundliche Menschen das sind.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert