Dorf

Ich bin unsicher – doch ich denke, daß meine Heimat für mich annehmbar wäre, wenn dort niemand mehr ist, den ich kenne oder wiedererkennen könnte. Ich müßte also lange warten, auch lange leben. Dann könnte ich freihin zu jedem Weg und jedem Baum eine Geschichte zum besten geben, und es würde mir gefallen, derart von frischen Erinnerungen überfallen zu werden, daß sie mir vorkämen wie Blüten. Siehe, ich habe einmal gelebt. Ich möchte mich in meiner Heimat bewegen wie ein Fremder, denn erst dann kann ich sehen und fühlen zugleich. Ohne abgelenkt zu sein von Verpflichtungen läßlicher Art. Ich möchte nicht dauernd grüßen oder reden müssen – das wirft mich raus, lenkt mich ab. Ich habe hier einst gelebt. Das möchte ich sagen können, leise und nur für mich.


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