Schnell das Fenster öffnen, um dem leisen Regen zuzuhören. Als fielen Stecknadeln vom Himmel – so las ich das einmal oder beschrieb es selbst so. Sicher erwähnte ich bereits Günter Eichs berühmten Gedichtband. Die Mittfünfziger sollen die Schnauze halten, las ich gerade als Überschrift, oder sollen nicht auf cool machen. Dabei haben wir seit vierzig Jahren nichts anderes gemacht – sofern ich mich angesprochen fühlen soll. Natürlich vergeblich. Leben und Wirklichkeit schreddern einen nieder, wenn einem zum Selbsterhalt nichts einfällt. Da der Artikel aber hinter der Bezahlschranke versteckt ist, kann ich nicht nachforschen, was genau die Autorin vorbringen kann und worauf sie sich bezieht. Ich möchte nicht als Verteidiger der „Baby Boomer“ dienen, denn ich hatte nichts von diesem Boom, er war nicht meiner. Warum sollte man sich mit irgendeiner oder seiner „Generation“ identifizieren – das ist, als sei man selbst fast gar nichts oder müßte für andere mitsprechen. Es gibt allerdings altersbedingt gemeinsame Erfahrungen, die prägend wirken. Für mich vielleicht der Nato-Nachrüstungsbeschluß, Tschernobyl, der Fall der innerdeutschen Grenze, der Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums, die Golfkriege, der Angriff auf die Türme des WTC und das Pentagon, die Bankenkrise, Fukushima, die Griechenland-Krise, die Flüchtlingskrise, die Afghanistan-Kriege, die C-Krise, der Krieg in der Ukraine. Je nach Alter steigt man dort ein und hier wieder aus. Klima-Krise kommt noch hinzu, als hätten wir nicht genug. Kaum will man reden, stellt sich jemand hin und sagt dir: das zählt nicht. Ja, so war das bei mir auch. Ist man jung, nimmt einen kaum jemand für voll. Dabei weiß man schon alles. Worauf also warten. Gleich loslegen, klar. Und doch nimmt einen niemand ernst. Es ist widerwärtig. Manchmal fühlt sich das an, als blute man aus. Aber cool sein – Gott, wer kann das schon, außer Gary Cooper in High Noon. Ich habe vor ein paar Jahren eine kleine Liste erstellt, auf ihr steht geschrieben, was wirklich (sinnvollerweise) „cool“ ist. Ich werde sie suchen. Sie entstand im Gespräch mit jemandem, der jetzt vielleicht zwanzig ist. Sie hat es in sich. Dann wird vielleicht deutlich, worum es sich handelt.
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