Wir unterstellen Idealismus. Das ist süß.

In laufenden Debatten gewinne ich (mehr und mehr) den Eindruck, es ginge den Streitenden nicht um die Lösung eines Problems, sondern um die Selbstdarstellung im fortdauernden Konflikt. Selbstredend im Namen einer Moral. Was ich meine erkennen zu können ist eine dekorative Moral, die die Interessen, die sie bedient, entweder nicht kennt oder unzureichend versteht. Das ließe sich von Krise zu Krise durchbuchstabieren. Gewaltige Umverteilungen von Kapital finden statt, ohne daß irgendwer auf die Idee käme, diesen Milliarden-Transaktionismus in Frage zu stellen und kritisch zu würdigen. (Es scheint übergenug Geld vorhanden zu sein.) Stattdessen wird betreten (ergeben) und betroffen genickt. (Zum Glück ist das Wörtchen Betroffenheit wieder verschwunden. Es bezeichnete ein Gefühl, das sich einstellt, wenn man von etwas nicht betroffen ist, es aber sein sollte oder könnte, eine Einfühlungsleistung, offenbar ein grandioses emotionales Ereignis für solche, deren Stärke darin liegt, genau dies nicht zu tun.)


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Wir unterstellen Idealismus. Das ist süß.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert