Salzfäßchen, ein Wort aus den Jugend- und Verliebtheitsjahren, als ich in Familien zu Gast war, die zum Salzstreuer Salzfäßchen sagten, weil es dick und gedrungen und klein war. „Können Sie mir bitte das Salzfäßchen reichen?“ – als sei ich ein kleiner Gentleman, der um die Hand der Tochter anhielte. Gewissermaßen tat ich das wohl. Ich wurde gut behandelt von den Eltern. Sie demonstrierten mir, daß ich anzunehmen sei. So lernt man sich selbst zu vertrauen, indem einem Vertrauen geschenkt wird. Nichts daran versteht sich von selbst. Ich fühlte mich sehr geehrt und spüre diese Auszeichnung bis heute. Aber ich erinnere mich auch voller Schrecken an den umgekehrten Fall – als die Eltern einer Freundin ihr mißtrauten – und also auch ihrer Herzenswahl, nämlich mir. Da wurde vieles zerstört, eigentlich alles. Wüßten Eltern, wie mächtig sie in ihrer Ohnmacht sind, fielen sie auf die Knie und bäten um Vergebung.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.