Straßenlaternen stehen dort auch

Das Café an der Stadtautobahn ist perfekt. Sie wird dort aufgeständert über Straßen und Plätze geführt, parallel zu den Gleisen der Schnellbahn. Unten und ebenerdig ist es ruhig, ein paar Passanten laufen oder radeln vorbei, Nebenstraßen kreuzen sich, eine Ampel regelt das Aufeinandertreffen. Das Café wird von freundlichen Menschen geführt. Ich habe es erst kürzlich entdeckt. Die Gemüse-Quiche stimmt mich froh. Der Milchkaffee ist in Ordnung. Das Publikum besteht aus den Anwohnern, die meisten Gäste kommen zu zweit und führen dort Gespräche. Ich sitze draußen und schaue auf die Straßen und die Kreuzung, betrachte die Passanten, denke mir zu ihnen Wohnungen aus, in denen sie leben könnten, und Einrichtungsgegenstände darin. Reine Spielerei. Ich weiß nichts. Daß ich nichts weiß, ruft die Phantasie auf den Plan. Wenn die Sonne mittags gut steht, blinzle ich ihr zu und lasse mich wärmen. Heute lief einer mit freiem Oberkörper herum, ein älterer Mann. Wir sind in Berlin, niemand wunderte sich. Anderen fehlen Schuhe oder der aktuell richtige Gesichtsausdruck. Der Himmel war blankgeputzt und blau wie am ersten Schöpfungstag. Im Gegenlicht der Sonne funkelte die Stadtautobahn wie ein Highway nach Eldorado.


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