Seitdem Justin Townes Earle tot ist, höre ich seine Alben erstmals wirklich aufmerksam. Das ist schäbig, auf gewisse Weise. Als habe er sich durch den Tod erst autorisiert. Zuvor hörte ich seine Musik als die eines Sohnes, der vergeblich bemüht sein wird, in die Fußstapfen des übermächtigen Vaters zu treten. Nun höre ich, daß die Musik des Sohnes feiner und trauriger ist, differenzierter auch, daß es ihr an jener Form von Vitalität mangelt, sich aus einer Misere herauszufräsen in einem Akt selbstherrlicher Befreiung und der Lossagung von den Sünden allein dadurch, daß es nötig ist und zu geschehen hat, und wer ist der schaffende und sich erschaffende Mensch, solches nicht zu glauben. Der Sohn war ein solcher Mensch, wie mir scheint. In einem Interview zu seinem, wie ich meine mich erinnern zu können, vierten Album, bemerkte der Fragende, daß Justin Townes Earle auf dem Album-Cover erstmals ohne eine Frau an seiner Seite sich präsentiere. Der Interviewte nickte. Die Liebe soll helfen, eigene Wege zu finden und zu gehen.
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