Büromöbel

Es muß in den Nullerjahren gewesen sein, als die gläsernen Bürotürme in die Höhe schossen und die Fußläufigen und Erdnahen von unten zu jenen emporblicken konnten, die in wabengroßen Räumchen an oder auf Schreibtischen saßen, sich um einen Bildschirm versammelten oder kurz vor Feierabend zu dritt noch lachten. Andere Leuchtwaben waren unbesetzt. Es kam auf den Zeitpunkt an, der das Unten und das Oben verband. Fortan hatte ein Spaziergang zum Potsdamer Platz etwas von einem Besuch im Zoo. Dafür, daß sie (die Angestellten) dort oben in ihren Arbeitszellen demonstrierten, wie avancierte Büroarbeit aussieht (ästhetisches Kriterium), wurden sie doppelt entlohnt: durch die Gehaltszahlung und die bewundernden Blicke der Zoobesucher. Wer es dorthinein schaffte, hatte es geschafft, einstweilen. In den Nullerjahren machte man auf naiv. Der Westen hatte gesiegt, der Kapitalismus würde sämtliche seiner Gegner erwürgen, der Hedonismus tanzte auf. Das Ich geriet zu prekärer Größe. Öffentliches Gut wurde privatisiert. Private Verluste wurden sozialisiert. Die Schamlosigkeit der damaligen Enteignungen öffentlichen Besitzes dringen bis in unsere Zeit. Wenn mich jemand fragt, wie es damals (wann auch immer) war, antworte ich: Schrecklich.


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