Es gibt dieses Vorurteil, zu spät zu sein. Zu spät sogar zu leben, denn das Große und Beste hätte sich bereits ereignet. Solches Vorurteil wird gestützt durch die Legendenbildung, auf die sich die Teilnehmer und Beiwohner einstiger Taten verstehen. (Ich erinnere mich gut, wie selbstgefällig und ausgedehnt diejenigen sich feiern ließen, die als Achtundsechziger in die Zeitgeschichte Westdeutschlands und West-Berlins eingingen.) Die Gegenwart ist unübersichtlich. Was eine große Tat zu sein verspricht, läßt sich im vorhinein nicht klären. Niemand weiß, wohin die Verhältnisse sich wenden. Manchmal denke ich an eine Schlammlawine, die zu Tal braust, nachdem ein Damm gebrochen ist und dessen Wasser das Erdreich mit sich in die Tiefe reißt. Wer weiß, in welcher Welt wir uns in wenigen Monaten wiederfinden, sofern wir uns finden. Selige Zeiten, brüchige Welt hieß der Titel eines Buches aus der alten Welt der Gewißheiten, erschienen 1994, Robert Menasse. Zum Trotz gegen jenes kleinliche Vorurteil höre ich Born at the Right Time, manchmal, Paul Simon. Man muß sich behaupten in jeglicher Zeit und sollte dabei nicht auf die Trophäen schielen. Niemand kennt die Jury.
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