Es tut mir ein wenig leid, was ich zu den L+L geschrieben habe – sie geben doch ihr Bestes und suchen nach einer kunstvollen Sprache für diese wunde Welt. Die Seite heißt „satt.org/lyrik-log“ – so läßt sich nachlesen, was die Neunundneunzig poetisch anzubieten haben. Ich las kreuz und quer und empfand, was ich schrieb. Warum sich verrätseln? Warum originell sein wollen? Warum herumspielen, statt ernstzumachen? Gut, die Gedichte stammen aus den Nullerjahren. Mir gefällt Falkners Gedicht, und doch ist es wenig im Vergleich zu dem, was er einmal konnte. Seit 2000 oder 1990 sind die allermeisten lieb geworden. Man streichelt einander, die Lyrikszene hält zusammen, alle duzen sich. Gelebte Solidarität, eigentlich schön. Zur Privatsprache der Lyriker erneut der Hinweis auf Einsteins Die Fabrikation der Fiktionen. Erschaffung einer Welt, deren Gültigkeit dort endet, wo die eigenen Leute nicht mehr sind. Jenseits befinden sich die Anderen. Carl Einstein erkannte darin den Verrat der Intellektuellen und Künstler. Verrat an wem? An denen, die nicht privilegiert sind, die sich weder künstlerisch noch intellektuell Distinktionsgewinne erwirtschaften oder erschwindeln können. Die Kreativen kümmern sich einen Scheiß um jene anderen, die ebenfalls hier leben – oder vielleicht doch eher dort, jenseits des Grabens. Man erkünstelt sich eine Wirklichkeit, so hätte es Einstein gesagt. Gartenlaubenmentalität. Privatklubatmosphäre. Dies nur als Skizze, notfalls bessere ich nach.
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