Daß Beerdigungsfeierlichkeiten die interessanteren Familientreffen abgeben, unterstreicht August: Osage County [2013]. Die Töchter kehren ins Haus der Eltern zurück, als der Vater erst spurlos verschwindet, später dann ertrunken aufgefunden wird. Nach der Bestattung sitzen die Trauernden an der langen Tafel: die Witwe, ihre drei Töchter, deren Ehemänner und eine Enkelin. Schon geht es los: Besprechung des Gottesdienstes, wie waren Predigt und Grabrede des Pfarrer; wie schmeckt Fleisch, da man die Angst der Schlachttiere mit ißt – die Enkelin hat das Thema mitgebracht. Einen Scheiß auch auf die Lyrik des Verstorbenen, das letzte nennenswerte Gedicht erschien 1965, sagt die Witwe, „und das Lehrersein fand er zum Kotzen. Niemand hat von den guten Sachen gesprochen: Der Mann war ein Weltklasse-Alkoholiker und mehr als fünfzig Jahre lang.“ Die Erinnerungen eilen herbei. Da ist solider Streit angelegt. Die unterschiedlichen Versionen der Familien- und Ereignisgeschichte sind die Zurechtlegung oder Rettung der jeweils Erzählenden. Das ist nicht von Pappe, sondern aus Tränen, Rotz und Blut.
Die Rolle der Cheyenne-Haushaltshilfe Johnna spielt Misty Upham (1982-2014), Nachfahrin von Blackfood-Indianern. Sie wurde tot in einem Wald gefunden, in Auburn, dreißig Kilometer südlich von Seattle. Die Todesursache ist bis heute ungeklärt. Es gibt eine Erklärung ihres Vaters aus Anlaß des Harvey-Weinstein-Skandal von 2017 auf der Seite lastrealindians.com
(Die Frage der Überschrift stellt sich diesbezüglich noch einmal neu. Dieser Text ist wie fast alle Texte und Tage ein work in progress. Ich möchte, daß das Fortschreiten erkennbar bleibt, und bringe Korrekturen dort an, wo sie solche Fort- und hoffentlich Weiterentwicklung dokumentieren.)
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