Aus der Gefangenschaft

Es ist nicht einfach, einen Gedanken von der Straße ins Haus und an den Schreibtisch mitzunehmen. Im Gehen dort draußen war er stark und lebendig wie ein wildes Tier, wenngleich er vom Altern handelt. Ein bißchen weiß ich noch – ich dachte: Alle wollen alt werden, aber niemand möchte es sein. Ich dachte: Erst jetzt bin ich alt genug, um einigermaßen zu verstehen, was es mit Frau und Mann auf sich hat. Ich dachte: Ich bin derart fasziniert von diesem Zusammenspiel, daß ich mich wenig um jene kümmern kann, die anders spielen und Freude finden. Ich dachte: Früher habe ich nur mitgemacht, irgendwie und mehr schlecht als recht, jetzt erst ahne ich, worum es bei diesem Spiel gehen mag und welche Prinzipien aufeinanderstoßen, wenn sie sich aufeinander einlassen. Ich dachte: Das Ideal lautet Ergänzung. Ich dachte: Das ist zu statisch gedacht. Ich dachte: Es handelt sich um einen dynamischen Akt der Umschlingung, des Verschlingenmüssens und Verschlungenseinwollens in der Furcht, bei solcher Lebendigkeit den Liebestod zu sterben. Ich dachte: Das ist eine typisch männliche Furcht, selbst wenn sie nicht unbegründet wäre. Ich dachte: Wie schön es sich läuft, wenn die Gedanken einen tragen oder treiben oder auf Trab halten. Ach, es klingt nun nur noch halb so schön wie in meiner freieren Welt dort draußen auf den langen Straßen hinab auf den Platz des gefährdeten Friedens und Lebens. Nun denke ich noch, daß die Idee, eine Frau und einen Mann zu kreieren oder entstehen zu lassen oder jedenfalls dabei nicht störend einzugreifen, eine große ist. Das, was mitunter überaus heftig kritisiert wird, bewundere und bestaune ich voller Ehrfurcht. Jetzt denke ich, daß es falsch ist, von zwei Prinzipien zu sprechen – es ist ein Prinzip, das alles enthält. Mir ist, als dächte ich ruckweise oder wie von Wand zu Wand, durch Gänge hinaus ins Freie wie aus einem Labyrinth.


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