Möglicherweise habe ich über weniges derart viel nachgedacht (meditiert und gegrübelt) wie über das Mysterium der Freiheit. In älteren Tagebucheinträgen (nicht hier, sondern auf Papier) schreibe ich vom süßen Gift der Freiheit. Als Jugendlicher verstand ich bereits, daß niemand wirklich frei sein möchte, womöglich auch nicht kann. Freiheit ist eine Idee des Sklaven, habe ich ebenfalls notiert, vor ein paar Jahren vielleicht. Daß Freiheit ein anderes Wort dafür sei, nichts mehr zu verlieren zu haben, hörte ich von Janis Joplin am eindringlichsten, auch wenn der Song von Kris Kristofferson stammt. Solcherart erzwungen gleicht Freiheit einer Lizenz zu jeglichem Tun und ähnelt der Notwehr. Ich habe nun festgestellt, daß die Menschen doch sehr in der Furcht leben und ihre Freiheit weder ernstnehmen noch sonderlich achten. Lieber suchen sie den Sicherheitsanschluß an die ihr Leben dominierende Gruppe und können auch andere schwer freilassen. Sie erpressen sich gegenseitig. Manche nennen das bereits Moral. Mir hat jedoch noch nichts gefallen können, was nicht freiwillig geschieht oder aus freien Stücken, wie es im Deutschen heißt. Die Freiheit leuchtet dort, wo gelassen wird.
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