Raumfahrt

I’m a slave to the night, sagte John Trudell, als er noch lebte und Interviews gab. Die Nacht macht die Räume weit und groß, weltenweit und himmelhoch. Die Sterne, der Mond, die Stille. Schlafende Menschen, schlafende Tiere. Ungestört darf ich bei mir sein, man läßt mich, niemand quengelt, quetscht, will was. Wollen und Quengeln und Quetschen sind dem Tag zugeteilt, dem Licht der feinkörnigen und trennscharfen Wirklichkeit, in der die Dinge für sich selbst sind und die Menschen sich in ihre Larven und Masken zwängen, um einander zu erkennen in der trügerischen Klarheit und Wiederholbarkeit der sozialen Konventionen. Deshalb ist der künstlerische Naturalismus längst nicht abgegolten, denn die Täuschungen und Verblendungen bleiben, wechseln nur das Gewand. Tagsüber sind wir unglücklich glücklich, nachts ist es umgekehrt. Realismus entsteht, wenn die Wirklichkeit fraglich geworden ist. Es lohnt sich, sie zu befragen. Nachts ist sie geständiger. So fährt man weit hinaus und überquert manche Grenze. Es ist wie nächtliches Fischen. Frühmorgens sichtet man den Fang.


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