Vor einigen Jahren wurde mir endlich deutlich, warum die Leute so gern und ausführlich über das Wetter sprechen. Ob es kalt, warm, regnerisch, angenehm oder unwirtlich ist, ob es ihrem Befinden entspricht oder widerrät. Sie tun es, um nicht wahnsinnig zu werden. Sie sprechen über nahezu objektive Verhältnisse, um sich zu vergewissern, daß sie nicht allein sind mit ihrer Einschätzung der Situation – daß sie verständlich sprechen und verstanden werden, daß sie nicht verrückt sind. Wie also, drehen wir die Angelegenheit um, steht es um die Leute, wenn sie nicht mehr die Gewißheit verspüren, verstanden zu werden und eine Wirklichkeit samt deren zutreffender Einschätzung mit anderen zu teilen? Sind sie nun verrückt, gehören sie noch dazu, darf man sie verschwinden lassen. Jeder weiß: von diesem Punkt an wird es sehr ernst, und alle Schönheit ist von dannen, und eine Durchschlageübung droht, die endlos lange Zeit in Anspruch nehmen kann, bis man eines Tages dort ankommt, wohin alle Wege führen, ganz gleich in welche Richtung man läuft.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.