Vom Ende her den Anfang verstehen

Proseminar Neuere Geschichte, Universität Hamburg, Philosophenturm, siebter oder achter Stock, 1986, Sommersemester (Tschernobyl-Zeit). Erste Sitzung, wir werden vom Dozenten gefragt, warum wir uns zu einem Studium der Geschichtswissenschaften entschlossen haben. Nacheinander ist in den Beiträgen der Kommilitonen (der Wortherkunft nach Mitsoldaten oder Waffenbrüder, akademische Sitte) die Rede von „aus der Geschichte lernen“ und der erhofften Wirkung solcher Lektion, nämlich „Fehler nicht wiederholen“. Das eint die junge Runde, so könnte es gut sein und passen. Ich melde mich ebenfalls, reiße all meinen Mut zusammen und sage: Geschichte handle von Geschichten, und es seien vor allem die Geschichten, die mich interessierten. Der Professor, ein Fachmann für nordamerikanische Geschichte, horcht auf und ist vielleicht etwas froh, daß der flache Optimismus des Fortschritts etwas gedämpft worden ist. Ich weiß es nicht. Aus meinen Geschichtslektionen ist nichts geworden, eigentlich war es von Anfang an klar.


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