Gezeiten

Die Phrase „mit der Zeit gehen“ erschließt sich mir neu. Die Zeit beinhaltet und umfaßt den Wandel der Verhältnisse. Frühling, Sommer, Herbst, Winter. Geburt, Kindheit, Jugend, Erwachsenenzeit, Alter, Tod. In solchem Wandel leben wir und können nicht hinaus. Ich verstehe nun, daß ich es nicht einmal möchte. Ich begehre nicht auf, ich skandalisiere nicht mein Altern. Was wäre schlimm daran, wenn ich stürbe. Nichts. Vielleicht würde ich ab und an fehlen, doch sicher gewöhnte man sich daran. Das Leben lebt sich durch die Lebenden und zieht durch sie hindurch in andere Lebende. Es geht immer weiter. Intellektuell mag das unbefriedigend sein, denn der Verstand sucht ein Ziel und die untergeordneten Zwecke. Er möchte die Existenzen, über die er zu verfügen sich einbildet, solchen Zwecken und Zielen unterwerfen. Sei dem so. Der Fluß fließt weiter, ich schwimme in ihm. Es wird kein rettendes Ufer geben, letztendlich. Ich gelange ins Meer. Daher ist Dead Man ein guter Film, trotz der ironischen Finessen.


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