Als ich dachte, ich müßte demnächst sterben, konnte ich keine schönen Sätze mehr denken oder sagen. Die Gewißheit (die keine war) machte mich stumpf, was ich fühlte, war dumpf. Nicht des Reimes willen, sondern tatsächlich dumpf, dumpf wie taub, erdig matt. Ein himmelschreiender Schmerz, der keine Höhe findet. Eine Art Schockzustand, mag sein, und ich schreibe ‚eine Art‘, weil ich Schockzustände vergessen habe, ich also nicht mehr weiß, was ein Schockzustand ist.
Woran ich mich erinnere, ist dies: Als ich damals in der Firma anrief, die mich als Auslieferer für Werkzeug beschäftigte, und fragte, ob ich die Firma Soundso in Sonstwo noch anfahren solle, teilten sie mir mit, ich müsse niemanden mehr anfahren, denn meine Mutter sei gestorben. Da war ich vierundzwanzig und Student. Ich sagte und erinnere mich an die Telefonzelle in der Nähe von Nordheim, ich sagte: Aber das liegt doch auf dem Weg, da kann ich doch noch vorbeifahren. Das war der Schockzustand. Sie sagten mir, ich solle zurückkommen. Und so fuhr ich auf die Autobahn und war eine halbe Stunde später dort, wohlbehalten, geborgen durch einen imaginären Tunnel fahrend, niemand konnte mich stoppen oder auch nur ablenken, ich fuhr sicher ins Ziel. Dort umarmten sie mich zum Trost.
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