Grinsen 2

Es ist so ein Standardgrinsen, um niemanden daheim zu beunruhigen, und dient der Täuschung aus lauteren Motiven. Man müßte es kulturhistorisch das amerikanische Grinsen nennen. Es ließe sich billig auf flachen Optimismus reduzieren, auf eine Haltung mit Stoppschild: Probleme müssen draußen bleiben. Oder: Bring dein Bestes mit, laß das Üble draußen. So mag es sich gehören am Grenzübergang zum Paradies, das sich aus Glauben und Zuversicht speist, da es sonst erlischt. Ohne Glaubensenergie bricht auch die Wirklichkeit in Stücke, angefangen beim Geld. Die Steine fallen alsdann wie beim Domino. Zurück zum Grinsen – es sollte Tapferkeit und Zuversicht, Unerschrockenheit und sogar Unbesiegbarkeit darstellen. Durch solche Haltung überredete man sich zu anspruchsvollen Tugenden. Nun ist es allgemein geworden und wird verlangt. Say cheese! animieren die schlechten Photographen, und wenn wir gnädig sind, machen wir lustlos mit bei diesem sinnlos gewordenen Gegrinse.


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