Sprechen bedeutet, sich in ein Machtverhältnis zu setzen – oder in ein Ohnmachtsverhältnis zu geraten. Wer gern und oft spricht, reißt Wirklichkeit in die Sprache und macht sie verfügbar und dem Anschein nach beherrschbar. Wer spricht oder schreibt, wechselt die Sphäre und tauscht das Wirkliche gegen das Symbolische und setzt auf einen günstigen Rücktausch. Auf solche Weise wirken Sprechakte auf die Wirklichkeit ein und verschieben sie ins gewünschte Verständnis. Nur daß das oft genug mißlingt. Die Absichten des Sprechers werden durchschaut oder der Tauschwert seiner symbolischen Währung wird bestritten. Der Marktplatz der Wörter ist umkämpft, die Berufsgruppe der Wortverkäufer mindestens umstritten. Man weiß, daß sie am Deutungsrad drehen und im Rücktausch ihre Profite machen. Mein Ausgangspunkt für diese losen Gedanken war allerdings ein anderer. Ich dachte zunächst und vor ein paar Minuten darüber nach, warum mir stets wohler ist, wenn gesprochen wird. Als befände ich mich erst dann in Sicherheit, anderenfalls aber nicht mehr. Insofern ist es an mir, mir selbst das Sprechen mitunter zu untersagen, um vollständig zurückzukehren ins Vor- oder Nebensprachliche, in die noch wortlose Wirklichkeit oder die einstweilen wortstumme Wirklichkeit. Denn schon schnipsen die Finger und deuten an, daß es eine vorsprachliche Wirklichkeit für einen, der über das Sprechen das Denken gelernt hat, nicht gibt.
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