Verbindungen zwischen Bild und Wort

Seit drei oder vier Tagen ist Spätsommer – noch immer nicht Herbst. Die Winde geben sich Mühe, einen Wandel zu markieren. Die Kastanien liegen, ich wiederhole mich, wie Geschenke achtlos verstreut unter Bäumen, die ihre Blätter lassen sollen. In der Untergrundbahn zeigen sie im sogenannten Berliner Fenster eine Photographie, die das zeigt, was der Titel bestätigt, nämlich „Altweibersommer“. Das macht mich fassungslos, obgleich ich gefaßt zu sein pflege. Solche Bennenungs- oder Titelnaivität rührt mich. Ist ein Gemälde groß und beeindruckend, vermag ein schlichter Titel es zu zieren. Frau am Fenster. Erkenne ich aber mühelos einen Sonnenuntergang, und die Abbildung wird mit Sonnenuntergang am Steinhuder Meer unter- oder überschrieben, gerate ich in die Nähe eines Schluchzens. Edvard Munchs Gemälde heißen Der Schrei. Sie könnten auch „Das Entsetzen“ heißen oder „Nein“ oder „Gottes Wille“.


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