Positiv voreingenommen von sich selbst

Dünkel und Dummheit gehen Hand in Hand. Jemand fragte mich kürzlich, was Dünkel sei. Ich antwortete, das sei Befangenheit zugunsten seiner selbst mit der Nebenwirkung, andere abzuwerten. Dünkel beruht auf positiver Selbsttäuschung. Man könnte sie für eine Gnade mangelnder Selbsteinsicht halten. Die Dünkelhaften verlassen sich auf Herkunft, Stand oder einstige Verdienste (es müssen nicht die eigenen sein). Eigendünkel ist etwas anderes als Standesdünkel, Standesdünkel ein anderer als der einer Familie. Dünkelhaft zu werden bedroht einen jeden. Dünkel ist dunkel, der Verstand dunkelt ein, verläßt sich auf Unverläßliches. Der Dünkel eignet dem scheinbar Überlegenen. Dem Dünkel unterstellen sich das Naserümpfen, das verächtliche Schnauben, das Blickabwenden, die hochgezogenen Augenbrauen. Der Dünkel ist außerstande, Signale zu empfangen und zu verstehen, die nicht ihm selbst gelten. Heute spricht man meist von Narzißmus. – Etymologisch stammt Dünkel von dünken: scheinen, den Anschein haben; sich halten für, sich vorkommen als.


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