Zauber und Zeichen

Wir sind die Wortwesen. Mit den Worten wollen wir wirken und Entzücken hervorrufen. – Die Wirklichkeit mag zuweilen trist und ermattend erscheinen, doch wir haben die Wörter parat, sie uns zu verwandeln. Denn wer es sagt, der erlöst, sogar im Schlimmen. – Ich erwarte die rettenden Worte meistens täglich. Daß es jemandem gelingt, zum Ausdruck zu bringen, was los ist oder festgezurrt ist oder versteckt ist oder sich bisher nicht sagen (und damit zeigen) ließ. – Ich warte auf tägliche Erlösung, in einem ganz und gar unreligiösem Sinn. (Das Religiöse führt in andere Dimensionen irdischer Existenz.) Erscheint irgendwo oder erreicht mich ein Text, der mich glücklich stimmt, gerate ich in Ekstase. Ich könnte hüpfen, springen, tanzen. Ich könnte Wildfremde umarmen und sagen: Ja, es ist gut, hier zu sein. Unmittelbarer noch wirkt die Musik. Doch ich bin ein Wortwesen. „Lesen ist sexy“, hat jemand in Neukölln auf die Fassade der Sparkasse am Hermannplatz gesprüht. Hier in der Hauptbildungszone wissen wir mehr als andere.


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