Sie zeigen und schimpfen von allen Seiten auf Berlin, Dreckloch und Sündenbabel, Spuck- und Zielnapf der bürgerlichen Provinzialvereine aus Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur, Sport, Gesundheit, Freizeit. Frederick Lau, Schauspieler, sagt im Interview, wem Berlin zu schmutzig ist, kann ja wieder abreisen. Investoren haben sich auf Berlin geschmissen wie die Freier auf ein Freudenhaus. Mieten sind in die Höhe geschossen wie ein Quecksilberthermometer während einer Fieberattacke. Leute mit einem Monatseinkommen im fünfstelligen Bereich rechnen vor, daß das Niveau vergleichbarer Metropolen längst nicht erreicht ist. Noch ist Platz nach oben und Berlin nicht teuer genug. Aber der Schmutz muß weg und auch die unappetitlichen Bewohner. Wer arm ist oder anderweitig „sozial schwach“ (ökonomisch behindert), darf sich glücklich schätzen, geduldet zu sein. Neidvolle Blicke der Sauberen und Richtigen Richtung New York, das gereinigt wurde durch den unwiderstehlichen Druck eines Sandstrahls aus Investition und Rendite. Wo findet das Leben einen Unterschlupf, sofern es nicht ausreichend profitabel ist? Was für eine bescheidene Frage. Mir kämen die Tränen, müßte ich nicht haushalten damit.
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