Es ist recht einfach: Ich bin Frei geboren. (So hieß eine Fernsehserie, die wir als Kinder sahen. Sie handelte von der Löwin Elsa, die von Menschen aufgezogen und später ausgewildert wurde, und beruhte auf den Aufzeichnungen von Joy Adamson.) Das war von Anfang an gewiß. Seitdem kümmere ich mich darum, wie dieses seltene und seltsame Privileg sich unter Menschen und in deren Ordnungen leben läßt. Ich spreche nicht von Verwirklichung, denn es gibt nichts zu verwirklichen. Meine Freiheit ist wirklich. Ich habe einige Male und halbwegs erfolglos gefragt, woher ich solches Privileg bezogen habe und zweitens, womit ich es verdiene. Die Umstände waren günstig, als ich ins Leben rutschte, ich kam etliche Wochen vor der errechneten Niederkunft und geriet in die Sonderbehandlung für Frühchen. So lehrte mich die Entbehrung Sehnsucht. Es gab keine Mutter, keinen Herzschlag, keine Haut, keinen Geruch. Nur die Wärme eines Kastens, in dem ich lag wie ein dürres, nacktes Kaninchen. Ob ich das Privileg verdiene, weiß ich nicht. Es kommt auf den Gebrauch an. Daß andere Leute die Freiheit fürchten, wundert mich nicht. Sie ist das Schwierigste, Verführerischste, Ehrlichste, Härteste, Klarste.
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