Immer wieder Liese

Da die Sprache es erlaubt und nahezu fordert, müßte ich der Poesie der leisen Laute die Poesie der lauten Liese nachfolgen lassen. Gewiß könnte ich sie mögen, preisen, lieben sogar. Nur daß ich keine Liese kenne. Die letzte Liese, die ich kannte, war das Ackerpferd unseres Großvaters, auf dem ich einmal aufsaß, viel zu klein, um so etwas wie ein Reiter zu sein, ich war nicht einmal ein Reiterlein, ich saß nur dort oben und spreizte die Beine nach links und nach rechts, Lieses Rücken war breit und zuverlässig wie ein Tisch, und schon wurde ich wieder heruntergenommen aus jener schwindelnden Höhe. Diese Liese beschäftigt mich offenbar sehr, ein Grauschimmel, ein Kaltblut. Sie starb gleich nach dem Tod des Großvaters, zwei Wochen nach ihm, ebenfalls an Wasser in der Lunge. Man stutzt, man staunt. Sehr verbunden sind die Wesen und wissen es allzu oft nicht.


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