Der Seelenwanderer

Gestern hatte Jim Morrison Geburtstag, er wäre 80 geworden. Noch immer scheinen sie sich, die Erzähler seines Lebens, nicht einig werden zu können, wo dieser dunkle Engel in Paris, wohin er geflohen war, um seinem Rockstar-Image zu entkommen und sich der Aufgabe zu widmen, ein ernstzunehmender und großer Poet zu werden, genau sein Leben ließ: ob in einer Bar auf der Toilette oder in der Badewanne eines Apartments. Es gibt erschütternde Filmaufnahmen, die Morrison zeigen, wie er am Vortag seines Todes mit Alain Resnais unterwegs ist, auf einer Treppe zusammenbricht, wie ein Seemann schaukelnd durch die Geschäfte wankt, Schluckauf-Anfälle hat und wohl auch Blut spuckt. Der durch Alkoholmißbrauch geschändete Körper sendet unmißverständliche Nachrichten. In der Nacht seines Todes nimmt er das erste Mal Heroin und überdosiert. Welch tödlicher Selbsthaß bricht sich Bahn, wenn die inneren Kräfte der Vernichtung entfesselt werden. Einsamkeit, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit. Ein langer schwarzer Tunnel, aufgehellt immer seltener und nur unter Zuhilfenahme von Medizin. Selbstmedikation durch Alkohol. Dazu noch diese Seelenverwandte, eine Zerstörte auch sie, seine „kosmische Freundin“ Pamela Courson. Über sie erhält er das Heroin. Sie wird ihm drei Jahre später, ebenfalls siebenundzwanzigjährig, in den Tod folgen (Überdosis H). Ich habe heute, als ich draußen war und den berühmten Rixdorfer Weihnachtsmarkt umkreiste (Scheu vor Menschen), etliche Songs der Doors, Album für Album, gehört. Das nimmt niemand mehr weg. Auch die Gedichte existieren, Tonbandaufnahmen, Photos, Filme, jede Menge Material.


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