Lewer duad üs Slaw

Es wird kälter. Minus sieben in der beginnenden Nacht. Einige der Bauern, die im Laufe des Nachmittags und Abends nach Berlin in die Bundeshauptstadt gekommen sind, wollen auf ihren Traktoren schlafen. Andere haben sich in Hotels eingemietet oder wohnen bei Bekannten, Freunden oder Unterstützern. Wenn die Bauern sich wehren, wird es ernst. Morgen beginnen die Kundgebungen und Blockaden, eine Woche lang. Die Landwirtschaft hängt eingezwängt im Korsett der EU-Agrarpolitik. Bauernsterben seit Jahrzehnten. Nur die Großen überleben, so bestimmt es das System. Über die Zusammenhänge wird meist nicht gesprochen. Warum bedürfen die Bauern der Subventionen, von denen zwei (Kfz-Steuerbefreiung und Agrardieselrückvergütung) jetzt gestrichen werden sollten? Wie funktioniert der europäische Markt für Agrarprodukte? Agrarprodukte sind das, was wir essen und trinken. Geht es den Bauern schlecht, geht es uns schlecht. Man müßte sehr viel sagen, um auch nur annähernd aufzuklären, was hier gerade los ist und noch los sein wird. Ich bin halb ein Bauern-, halb ein Bürgerkind. Ich gehe morgen zu den Bauern und sehe nach, wie es ihnen hier ergeht, in der Kälte, in Berlin.


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