Gestern im Zug habe ich noch alles gewußt – was zu sagen und zu schreiben ist. Ich hätte mich setzen können wie zu einem Diktat. Die innere Stimme war fest, der Geist war klar. Während der Zugfahrt fanden die Gedanken zu mir oder ich zu ihnen. Ich verstand auch plötzlich die Zeit, in der wir leben. – Sofern man in Zeit leben kann. – Schlagartig, sagt man. Mit einem Mal: einem Blick aus dem Fenster auf die Straßen und Häuser unter dem schwarzen Himmel; einem Atemzug in der Waggonluft der Schnellbahn; einem Seufzer angesichts der Gestalten, die sich durchbettelten. Das Wissen, was ist und worum es sich handelt, wurde noch gesteigert, als ich ausstieg und zur Wohnung lief. Sätze fielen ein. Ich genoß die eigenen Gedanken, wenngleich zu fragen ist, ob sie einem gehören können. Zuhause sah ich ein Handballspiel, das sie heute, am Tag danach, einen Handballkrimi nennen, da es bis zum Schluß spannend blieb. Es war ein Fehler, mich nicht zum inneren Diktat gesetzt zu haben und stattdessen den anderen beim Ernst ihres Spiels zuzusehen. Ich hätte mein eigenes Spiel spielen sollen, voller Ernst und Heiterkeit. Ja, die Sätze waren wirklich gut, und ich sah die Wirklichkeit aus angemessener Höhe. Die Innenspannung war spürbar, doch ohne Überhitzung oder destruktiven Impuls. In vollkommener Ruhe hätte ich schreiben können, was hier tatsächlich los ist. – Jetzt kann ich diese Höhe nicht mehr erklettern. Jeder Tag ist neu. Dieser Tag hält andere Aufgaben und Möglichkeiten für mich bereit, andere Risiken auch. Ich kann mich gedulden. – Es waren nicht Augenblicke, möchte ich die Überschrift korrigieren. Es waren Atemgänge, falls solches Wort etwas zu bedeuten vermag.
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