Ein Tag geht zuende, die Nacht hat übernommen. Tag-und-Nacht-Gleiche oder Äquinoktium. Wir machen halbe-halbe, sagten wir als Kinder, wenn wir teilten.
Zeit ist teilbar, doch keines ihrer Teile läßt sich zum Verschwinden bringen. Da nun die Tage länger und die Nächte kürzer werden, verändert sich unser Leben von Grund auf.
Wie seltsam doch, daß wir wenig aufs Datum schauen, wenn wir einen Brief oder eine Tagebucheintragung zu verstehen suchen. Wie können wir annehmen, daß das Bewußtsein und das Lebensgefühl gleichbleibend sind, da wir doch wissen, wie sehr die Witterungen, die Lichtverhältnisse, die Wärme- oder Kältephasen einspielen in unser Empfinden.
Müßte nicht danach gefragt werden: Was war das für ein Tag, als die Großmächtigen beschlossen, ein Land von der Karte Europas zu tilgen? Andererseits würde es kompliziert, man müßte Meteorologie und Sinnesphysiologie in die Geschichtsschreibung aufnehmen.
Es gibt einen Grund, weshalb ich von Wetter und Jahreszeit spreche, wenn gefragt wird, wie es geht oder ob es gut ergeht. Ich halte uns für witterungsabhängige Tierchen und wähle die Verniedlichung, da man den Tieren unterstellt, sie seien wüst und triebhaft.
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