Projektion unter Saharastaub

Kommen denn nun die Gedanken frei, endlich einmal. Was hängt denn da Schweres an ihnen, was zieht mich derart hinunter in den knochigen Staub? Das kann doch nicht alles in mir sein, was habe ich denn getan?

Weiß wie Maden lagen die Leute auf dem Tempelhofer Feld und übten zu leben. Ballspiele sollten helfen, dafür rappelte man sich hoch, und Grillfeuer qualmten. Es sah aus wie immer, nur blasser und kaputter. Der Himmel war dichtgemacht, unheilschwer lastete eine Wolkendecke unbekannter Färbung und Konsistenz über dem matten Gewimmel menschlichen Überlebens.

Bin ich denn der einzige, der sieht, was hier los ist. Die Leute sind wie angeschlagenes Geschirr, nur daß die Risse im Porzellan nicht bemerkt werden. Sie sind auch tapfer und tun so, als sei alles in Ordnung. Sie sind auch wie Spielzeug, daß man kaputtgespielt hat. Was mir jetzt helfen könnte? – Daß mir erklärt wird, ich projizierte lediglich eigenes Befinden auf andere.

Wenn ich das nicht falsch sehe, brauchen wir alle eine kleine Auferstehung. Man soll uns nicht zu früh totschreiben.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Projektion unter Saharastaub

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert