Um die Seite eines Buches leichter umschlagen zu können, befeuchten manche Leser den zugreifenden Zeigefinger an der Zunge. Seit ich sehen kann und Lesende beobachte, weiß ich von dieser Methode. Damals durchfuhr mich ein Gefühl heftigen Ekels. Speichel sollte nicht an den unteren Ecken der ungeraden Seiten sein. Dennoch las ich weiter gebrauchte Bücher und besuchte die Stadtbibliothek. Nicht jeder befeuchtete vor dem Umblättern die Fingerkuppe des linken Zeigefingers. Die meisten kamen ohne solches Befeuchten klar. Die Befeuchtenden sind, meinen Recherchen zufolge, knapp in der Minderheit. Das Befeuchten scheint sich familiär weiterzugeben. Wie der Opa, so die Enkelin. Die Lesebefeuchter gehen ihrer Praxis ohne Schuldgefühl nach. Es gibt Gummiaufsätze für die Finger, mit denen Papierseiten und Geldnoten sich leichter greifen lassen. Sie bilden ein eigenes Fach. Stell dir vor, du denkst, du gibst einen Hunderterschein, dabei sind es zwei. Das macht nachträglich schlechte Laune. Während die zwei übersprungenen Seiten im Buch sofort auffällig sind.
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