Erziehungsdiktatorischer Impetus

Wenn ich „idealistische Narren“ schreibe, meine ich das ebenso liebevoll wie auch spöttisch. Ich selbst bin Sproß einer idealistischen Linie und auf Werte verpflichtet, die sich nicht in Summen darstellen lassen. Ein Großvater warnte mich vor „brutalem Materialismus“, der andere machte eine wegwerfende Handbewegung, wenn von Kaufleuten oder Funktionären die Rede war. Es war besser, arm und ehrlich zu sein als sündhaft und reich. Niemand in unserer Familie hatte je viel Geld oder verfügte über ansehnliche Machtmittel. Die idealistische Schule hält auf hohe und verbindliche Werte und unterwirft das eigene Streben dem übergeordneten Ziel. Idealisten werden überall benötigt, wo es gilt, weltanschauliches Denken mit einem Handeln in der Wirklichkeit in Übereinstimmung zu bringen, auch inmitten einer materialistischen Welt. Der Idealist bewertet die Wirklichkeit nach Maßgabe seiner Ideale. Genügt sie ihm nicht, versucht er nachzubessern. Sie hat sich vor seinem strengen Auge ständig zu bewähren. Im schlimmsten Fall gerät die Wirklichkeit auf die Streckbank. Der Idealist ist Pädagoge oder Pfarrer. Die Wirklichkeit, das sind Menschen und die Verhältnisse, in denen sie leben. Daß auch der Historische Materialismus eine idealistische Idee ist, leuchtet ein.


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