Echte und eitle Bescheidenheit

Den Satz „Ich weiß, daß ich nichts weiß“ empfand ich stets als frivolen Scherz eines koketten Philosophen, der sich in eitler Bescheidenheit darzustellen gefällt. Natürlich versteht jeder die Bedeutung dieses Paradoxons, doch kurz darauf, kurz nachdem der Groschen gefallen ist, macht ja doch jeder wieder, was er sonst so tut, nämlich so zu tun, als wisse man, und das mit gar nicht unwahrscheinlichem Erfolg. Nichts zu wissen ist erbärmlich, nicht zu wissen eine Ehrbekundung. Jemand gibt sich die Ehre und gönnt sich das Vergnügen, andere und Wissendere zu hören und vortragen zu lassen. Allzuoft wissen wir tatsächlich wenig, doch nicht ist nicht nichts. Wie hätte der Satz demnach geklungen, rhetorisch abgerüstet? Ich weiß, daß ich sehr wenig weiß. Aus dem Munde eines Wissenden wäre das eine ermutigende Aussage.


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