Birkenrinde

Pfingsten ist für mich etwas Helles. Ich war nie sonderlich gläubig im Sinne anerkannter Konfessionen und deren anspruchsvoller Mythologie, doch es gab im Dorf meiner Kindheit und Jugend den Brauch der Pfingstbäume. Die Pfingstbäume waren junge Birken, vier oder fünf Meter hoch, die im Forst geschlagen und von der Dorfjugend auf die Bauernhöfe verteilt wurden. Man stellte sie auf und lehnte sie an die Hauswand zum Schmuck von Hof und Haus. Ich habe sie geliebt, das weiß ich noch. Schnell holten wir Eimer mit Wasser, um die gekappten Birkenstämme mit Wasser zu versorgen. Sie wurden behandelt wie Schnittblumen. Den Birken fühle ich mich nahe aus vielerlei Gründen. Ihre Rinde hat Augen. Sie wachsen aus Dachrinnen und Ruinen. Im Erschießungswald stehen sie weiß und starr, während der Schuß fällt. Eine Stelle aus den Strahlungen, die ich nicht vergessen kann.


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