„Die philosophisch-anthropologische Voraussetzung des zukünftigen Diesseitsheils ist das Dogma: es gibt keine Konstanten in der Geschichte der Menschheit, die unbegrenzt wandlungsfähig ist … auch was die bisherige Erfahrung betrifft: Alle Menschen müssen sterben. Die phantastische Hypothese wird als Gewißheit durchgesetzt, indem man die Vorstellung von einem Ewigen im Menschen demoliert. Das zeitgenössische Werkzeug der Destruktion ist der Ukas: es ist infam, Situationen als ewig zu proklamieren, weil sich so Interessenten vor dem Wandel schützen. Und wirklich hat sich schon zu viel Zeitliches als ‚ewig‘ aufgetan – und damit eine aufhebbare Not stabilisiert. Man sollte nicht einmal sagen: es sei die ewige Natur des Menschen, zwei Arme und zwei Beine zu haben. Wir kennen nur die Vergangenheit.
Aber ebenso reaktionär (rücksichtslos gegen die Lebenden) wie die, welche genau zu wissen vorgeben, was nicht zu ändern ist, sind die Andern, welche genau zu wissen vorgeben, daß alles zu ändern ist. Es ist verrucht, dem Einzelnen einzureden, es läge nur an den ausbeutenden Mächten, wenn nicht längst alle miteinander im Paradies schwebten.“
Ludwig Marcuse, Einleitung zu Philosophie des Unglücks [1953/1966]
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Ich habe noch den alten Glaser, den Georg Konrad Glaser, kennen gelernt. Er behauptete ewig am Leben zu bleiben und zwar, so dichtete er, aus folgendem Grund: „Alle Menschen müssen sterben / nur der alte Glaser nicht. / Der besteht aus Kitt und Scherben / und die frisst der Teufel nicht.“ Damit hatte er, wie sich herausstellen sollte, den Appetit des großen Durcheinanderbeutlers denn doch unterschätzt. („Geheimnis und Gewalt“, eine der großen Autobiographien des 20. Jahrhunderts.)