Lieber ein Lied

Daß mein Leben endlich ist, weiß ich, seit ich halbwegs denken kann. Würde ich solches Wissen leugnen, verriete ich Uneinsicht in die Lebensverhältnisse. Man dürfte mich bemitleiden. Leben und Tod sind einander untrennbar verbunden. Daß es ein Ende gibt, setzt dem Lebensspiel Grenzen. Es gibt kein Spiel ohne Grenzen. Innerhalb der Grenzen findet das Spiel statt. Jeder weiß es. Ohne Limit kein Gebot. Was du heute kannst besorgen, verschiebe lieber gleich auf morgen. Würden wir vierhundert, verabredete ich mich in zweihundert Jahren mit dir, wir hätten ja noch Zeit. Es mag versucht werden und wird fortgesetzt eifrig versucht, die Limits auszuweiten – als gewönne man dadurch substantiell. Ob der Umschlag der Quantität in die Qualität solcherart vonstatten geht? Ich weiß nicht, wer ‚man‘ ist. Man ist jedermann, wir alle oder niemand. Ich nehme mir vor, tapfer zu sterben, wenn ich an der Reihe bin. Wie es dann sein wird, kann niemand wissen. Ein letztes Abenteuer? Mag sein, mag nicht sein.


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