Sämtliche Konfliktlinien laufen durch mich hindurch. Ich kenne wenige Leute, denen es ebenso ergeht. Ich bin darauf nicht stolz, ich ächze unter den Schmerzen solcher Zerrissenheit. Wie angenehm muß es zu sein, etwa zu sagen: Ich bin Humanist. Oder: Ich bin links. Oder: Ich bin Pazifist. Das Gegenteil auch nicht. Warum nur schaffe ich solches nicht, warum muß in mir stets das Eine wie das Andere angelegt sein – und zwar so sehr, daß ich nicht richten möchte? Eine schöne Antwort wäre, daß ich ein vollständiger Mensch bin. Doch es zieht gewaltig an mir, und sämtliche Kräfte wollen von mir haben, wollen besitzen, besetzen, enteignen sogar. Nicht paranoisch formuliert oder verstanden, sondern realiter. Auf uns alle wird eingewirkt und eingedroschen, und wir selbst sind Einwirkende und schlimmstenfalls eifernd Eindreschende. Orte der Stille sind rar. Es ist gut, wenn man jemanden kennt durch die Phrasen hindurch. Wir üben hier nur, dürfte man denken. Mich beschäftigen die Gesichter, die Blicke, das unausgesprochene Wissen.
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